Görlitz auf dem Weg zum Welterbe 

Über 4000 Baudenkmale in einem unzerstörten Stadtbild machen Görlitz zu einem herausragenden Zeugnis der europäischen Architekturgeschichte. Die Görlitzer Hallenhäuser an der bedeutenden europäischen Handelsstraße und heutige Kulturroute des Europarates via regia bilden den Kern des historischen Ensembles aus der städtischen Blüte im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit. Sie sind als herausragende Zeugnisse ihrer Epoche zudem geeignet, das zentraleuropäische Handelssystem der frühen Neuzeit darzustellen. Die von der Kultusministerkonferenz eingesetzte Jury zur Bewertung der potentiellen deutschen Welterbestätten hat der Stadt Görlitz 2014 dahingehend auch Potenzial bescheinigt.

 

Die Stadt Görlitz forscht zurzeit unter an diesem Aspekt. Ziel ist es, die über Jahrhunderte von der Gotik bis zur Renaissance entwickelte Architektur der Hallenhäuser als Abdruck und Spiegelbild der funktionalen und repräsentativen Ansprüche des Handels und der Kaufleute zu entschlüsseln. Im Rahmen der Forschungen werden u.a. umfassende Eigentümerchroniken für 60 Häuser erstellt. Parallel dazu wird die Haus- und Bauforschung vertieft. Aktuelle Informationen

 

Einen aktuellen Einblick in diese Thematik gibt die Ausstellung "Kaufmannspaläste an der VIA REGIA" im Hallenhaus in der Brüderstraße 9. Zu sehen sind neben herausragenden Fotoinstallationen u.a. ein im 3-D-Druckverfahren hergestelltes und in Querschnitte auseinandergelegtes Modell des Hallenhauses Brüderstraße 9 sowie ein eigens angefertigter Animationsfilm, der die historische Entstehung der Hallenhäuser im Kontext der Entwicklung der Handelsstadt Görlitz an der VIA REGIA seit dem 13. Jahrhundert nachvollzieht.

 

 

Görlitz und die VIA REGIA

Der wörtlich übersetzte „Königsweg“ galt als eine der wichtigsten Handelsstraßen des europäischen Mittelalters und war für die Oberlausitz die wichtigste Lebensader. Erstmals erwähnt wurde sie in einer Urkunde 1252. Archäologische Funde von der Bronzezeit bis ins nachchristliche Jahrtausend aus verschiedenen Teilen Europas bezeugen, dass die Oberlausitz schon früher eine Transitregion war.

 

Die VIA REGIA verband die Oberlausitz mit dem Westen Europas und mit den Ländern im Osten. An Berganstiegen und Flussübergängen wurde gesiedelt, es gründeten sich Städte und somit eine Infrastruktur. Auf der Handelsstraße beförderten Händler und Fuhrleute Waren, Werte und Ideen. Handel und Handwerk trugen zur Entwicklung der Städte bei. Es wurden Herbergen, Schmieden, Radmachereien und Kirchen errichtet.              
Görlitz entwickelte sich durch die zentrale Lage von der einst slawischen Siedlung „villa gorelic“ zu einem einflussreichen Zentrum des Handels und der Wissenschaften. Durch den 1346 geschlossenen „Oberlausitzer Sechsstädtebund“ - bestehend aus Bautzen, Görlitz, Kamenz, Lauban, Löbau und Zittau - profitierte die Region wirtschaftlich.

 

Die 2005 zur „Kulturstraße des Europarates“ erklärte VIA REGIA, ist Teil des Netzwerkes europäischer Kulturstraßen. Sie verbindet nun auf 4500 Kilometern Santiago de Compostela in Spanien, über Frankreich, Deutschland und Polen mit Kiew in der Ukraine.
Wichtige Orte an der VIA REGIA sind neben Görlitz, Frankfurt am Main, Erfurt, Leipzig, Bautzen, Breslau und Krakau.

 

Foto: Rainer Michel
Foto: Ulrich Schwarz
Foto: Ulrich Schwarz